BARFÜSSERTÖRCHEN

- Spiel und Begegnungsstätte für Kinder U6 aus Familien mit Flucht- oder Migrationsgeschichte

 

Ausgangslage
Seit 2015 hat die Universitätsstadt Marburg verschiedenen Wellen der Aufnahme geflüchteter Menschen, zuletzt aufgrund des Kriegs in der Ukraine erlebt. Die Strukturen und Haltung der Universitätsstadt in Verwaltung und Bevölkerung haben die Aufnahme, Unterbringung und Integration der Neuburger möglich gemacht. Die aktuellen Ströme der geflüchteten ukrainischen Kinder und Jugendlichen mit ihren Begleitpersonen stellten insbesondere die Schulen und Kindergärten im Landkreis Marburg Biedenkopf und der Universitätsstadt Marburg vor Herausforderungen. 
Von den mitgeflüchteten Kindern unter 6 Jahren gibt es viele, die bisher nicht in Regelbetreuung untergebracht werden konnten. Außerdem fehlen noch ausreichende, pädagogisch gestützte Angebote, die von Eltern gemeinsam mit ihren Kindern wahrgenommen können.
Hier leistet die FBS bald einen Beitrag, der durch den Gesamtverband der Evangelischen Kirchen getragen wird.

Vorhaben
In bis dato leerstehendes Räumen des Untergeschosses im Gebäude Barfüßertor 34, in dem die evangelische Familien-Bildungsstätte arbeitet, soll ein Spiel- und Begegnungsstätte für Kinder (U6) aus Familien mit Flucht- und Migrationsgeschichte entstehen. 
Es werden wochentäglich vormittags von 9:30-11:30 und nachmittags von 15-17 Spiel- und Betreuungsangebote für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren gemacht. Die Räume sind kindgerecht eingerichtet und Muttersprachler, sowie Betreuungspersonen beschäftigen die Kinder altersgerecht. Dabei begleiten die Mütter die Kinder zunächst und/oder halten sich im Gruppenraum auf gleicher Etage auf, bekommen dort ebenfalls Angebote oder tauschen sich aus. Wenn es die Kinder zulassen, können die Mütter auch, nach der Eingewöhnung die Kinder dort lassen und Besorgungen machen oder Termine/ Kurse wahrnehmen.
Die Betreuung sollte von 2 Personen geleistet werden. Eine pädagogische Fachkraft/ Tagespflegeperson und je nach Gruppengröße oder Bedarf eine Honorarkraft, die ggf. auch übersetzen kann.  Unterstützung durch ehrenamtliche Übersetzerinnen ist auch denkbar.

Ziel
Um die leisen, aber wahrnehmbare Kritik aus den Gruppen der schon länger in der Universitätsstadt Marburg lebenden Migrant‘innen, es würden zur Zeit überwiegend Geflüchtete aus der Ukraine gefördert und um konkurrente Situationen zu minimieren, ist das Konzept des BFT bewusst für alle Familien mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung offen. Die Hoffnung besteht, dass sich durch allmähliches Mischen der Gruppen ein besseres Miteinander und Vernetzung entwickelt.
Die Mütter, die bisher keine Betreuungsunterstützung hatten und daher auch wenig aus ihren Quartieren herauskamen, sollen sich so leichter in der Stadtgesellschaft bewegen, Angebote wahrnehmen können, Entlastung erfahren und durch geschultes Personal ggf. in Ihren Bedarfen an die richtigen Beratungsstellen gelotst werden können.

Konzeption Räume
Die Räume liegen im Untergeschoss des Gebäudes Barfüßertor 34 und sind über verschiedene Eingänge erreichbar, barrierefrei über den Parkplatz der FBS, Universitätstrasse 59. Ein weiterer Zugang ist durch den Haupteingang durchs Treppenhaus möglich. Es gibt Unterstellmöglichkeiten für Kinderwagen und Fahrräder.
Es wird drei Räume für die Kinder geben. Ein Kreativraum, der durch die Bestuhlung und kleinen Tische zugleich auch für Snackpausen genutzt werden kann, dazu angrenzend einen Raum mit z.B. Bauteppich und Puppenecke. Ein etwas größerer Raum, der sowohl zum Vorlesen und für  Ruhephasen dient, als auch als Toberaum, liegt auf der anderen Seite der Etage hinter den Sanitärräumen. Das Konzept dazu wurde mit einer ehemaligen Kitaleiterin entwickelt.
Zusätzlich gibt es einen Gruppenraum, wo die Mütter sich aufhalten können. Dort können inhaltliche Angebote wie Sprachkurse stattfinden, aber perspektivisch auch andere Bildungsangebote aus dem Programm der FBS, sowie Gruppengespräche mit oder ohne pädagogische Leitung. 
In der kleinen Teeküche können Snacks und Getränke vorbereitet werden.

Personal
Um den angedachten Betreuungszeitraum abzudecken, braucht es eine pädagogische Teilzeitkraft, ausgestattet mit 20 Wochenstunden.
Vor- und Nachbereitungsarbeiten, sowie Einbindung in das pädagogische Team der FBS wären so gewährleistet. Zusätzlich eine Honorarkraft für mindesten 10 Wochenstunden plus eine Reinigungsstunde täglich.

Montag - Freitag von 9:30 bis 11:30 Uhr und von 15:00 - 17:00 Uhr.

Die FBS wird, eine geeignete Finanzierung vorausgesetzt, entsprechendes Personal akquirieren und zunächst bis Ende 2023 unter Vertrag nehmen.
Je nach Teilnahme an der Spielgruppe, mit oder ohne elterliche Begleitung, können 5 Kinder ohne Eltern betreut werden und bis zu 10 Kinder teilnehmen, sofern die Eltern sich in der Etage aufhalten.
Die 2. Person / Honorarkraft unterstützt und stellt so die Aufsicht sicher.

Erreichbarkeit/ Lage 
Das BarfüßerTörchen liegt zentral in der Nähe des Wilhelmplatzes und ist somit mit vielen Stadtbussen über die Haltestellen Philippshaus oder Wilhelmsplatz/ Linie 1,2,7 und 8, sowie Ockershäuser Allee/ Linie 5, erreichbar. Ebenso verfügt die FBS über einen Parkplatz. Die Räume des BFT können barrierefrei mit Fahrrad und Kinderwagen erreicht werden. Für beides wird gibt es überdachte Abstellplätze geben. 

Kooperationen
Die langjährige gute Vernetzung der Evangelischen Familien-Bildungsstätte zu allen Beratungsstellen Einrichtungen und Sprachschulen in der Stadt gewährleistet eine Anbindung an dieselben, sowie  Beratung über deren Leistungen und Angebote und ggf. Unterstützung bei Kontaktaufnahme/Vermittlungen.

Meilensteine  

  • Umbaubeginn und Akquise Personal / September 22
  • Eröffnung/ Ende Oktober 22    
  • Beginn mit Spiel- und Begegnungsgruppen nach Eröffnung

Herausforderungen 
Der integrative Ansatz, dass die Spielgruppe für verschiedene Nationen/ Kulturen geöffnet ist, birgt in sich die Herausforderung, dass die ukrainischen Geflüchteten oft (noch) kein Deutsch und kaum Englisch sprechen. So ist eine schnelle Verständigung mit anderen Gruppen, zum Beispiel Syrien oder Afghanistan erschwert. Auch die Frage, wie lange die Familien in Marburg bleiben werden, macht ein Ankommen und Zusammenwachsen schwerer.
In der Regel trifft man in der ukrainischen Gruppe der Geflüchteten auf Frauen, die allein gekommen sind, das unterscheidet die verschiedenen Gruppen von Migrant’innen in der Stadt.
Auch die bekannten Fragen zum Herbst/ Winter bezüglich der Pandemie werden und beschäftigen. 

Finanzierung
Die Mittel zum Umbau aus leerstehenden Verwaltungsräumen in ansprechende, kindgerechte Räume übernimmt der Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden Marburgs, inclusive der Neuinstallation eines Sanitärraumes. Ein Zuschuss des Kirchenkreises Marburg ist inkludiert.
Die Personalkosten werden voraussichtlich von der Universitätsstadt Marburg übernommen, befristet bis Ende 2023. Ein entsprechender Antrag wir nach der Sommerpause  dem Magistrat vorgelegt
Das Inventar wird seitens der FBS durch eine geeignete Fundraising Kampagne finanziert und organisiert. 

Marburg, 8. August 2022